Offener Brief – Sonnenfinsternis am Chasseral: Wenn niemand den Verkehr regeln will

Hotel & Restaurant

Die Sonnenfinsternis am Mittwochabend hat auf dem Gipfel des Chasseral für regelrechtes Chaos gesorgt. Obwohl mit einem starken Andrang zu rechnen war und das Hotel-Restaurant Chasseral bereits am Morgen versucht hatte, den Schwierigkeiten zuvorzukommen, musste die Straße schließlich kurzfristig gesperrt werden. Nun stellt sich die Frage: Wer ist für die Verkehrsregelung zuständig, wenn der Gipfel gestürmt wird?

Die Sonnenfinsternis vom 12. August lockte auf den Anhöhen des Jurabogens besonders viele Zuschauer an, und der Chasseral bildete keine Ausnahme. Bei über 80 Reservierungen für den Abend, zu denen noch die zahlreichen Besucher hinzukamen, die lediglich die Sonnenfinsternis beobachten wollten, rechnete das Hotel-Restaurant Chasseral mit einem starken Andrang.

Um zu verhindern, dass die Situation eskaliert, wandte sich das Hotel bereits am Morgen an die Polizei und bat um Unterstützung bei der Verkehrsregelung. Da die Chasseral-Straße im Besitz des Kantons ist, obliegt es nicht dem Personal eines privaten Betriebs, über ihre Sperrung zu entscheiden. Die Polizei ging jedoch nicht auf die Anfrage ein und riet den Verantwortlichen, im Falle von Problemen am Abend die 117 anzurufen und sich mit dem Tiefbauamt in Verbindung zu setzen. Eine kaum zufriedenstellende Antwort: Mit dieser vorbeugenden Maßnahme sollte ja gerade verhindert werden, dass es zu einem Notfall kommt.

Um 16:30 Uhr war der Parkplatz bereits voll

Die Befürchtungen bestätigten sich schnell: Bereits um 16:30 Uhr war der Parkplatz vor dem Hotel voll. Doch die Fahrzeuge strömten weiter heran, und mangels Platz begannen viele Autofahrer, entlang der Straße zu parken – teilweise den Verkehr behindernd – oder trotz der ausgeschilderten Verbote direkt auf den Weiden. Das Gebiet umfasst jedoch ein Naturschutzgebiet und ein eidgenössisches Wildreservat, und aufgrund des Viehbestands wurde zudem befürchtet, dass Zäune beschädigt werden könnten. Hunderte von Fahrzeugen parkten daher ungeordnet zwischen L’Egasse und dem Gipfel, aber auch auf der Südseite. Angesichts der sich verschärfenden Situation rief das Hotel mehrmals die Polizei.

Schließlich sperrte eine Streife die Straße am Ortsausgang von Nods, wo die Fahrzeuge sicher wenden konnten, da man der Ansicht war, es sei sinnlos und gefährlich, sie weiter hinauffahren zu lassen. Eine Entscheidung, die leider einige Gäste der „Métairie de l’Isle“ daran hinderte, das Lokal zu erreichen. Das Hotel-Restaurant Chasseral bedauert aufrichtig die Schwierigkeiten, mit denen seine Nachbarn zu kämpfen hatten, weist jedoch darauf hin, dass die Entscheidung über den Ort der Sperrung bei der Polizei lag. Deutlich später am Abend sperrte die Polizei auch die Zufahrt von Les Pontins aus, obwohl zahlreiche Fahrzeuge bereits in das Gebiet gelangt waren.

Ein Missverständnis bezüglich der Rolle des Hotels

Zwar zeigte sich die große Mehrheit der Autofahrer höflich und verständnisvoll, doch einige Personen warfen dem Personal vor, den Zugang zu einem öffentlichen Parkplatz regeln zu wollen, und verwiesen dabei auf frühere Diskussionen rund um das Parken auf dem Gipfel.

Eine Verwechslung, die jedoch unangebracht war: Am Mittwochabend ging es nicht darum, zu entscheiden, wer vor dem Hotel parken durfte und wer nicht, sondern darum, wie verhindert werden konnte, dass Hunderte weiterer Fahrzeuge weiter hinauffuhren, obwohl schlichtweg kein Platz mehr vorhanden war, um sie aufzunehmen.

Hätte man die Fahrzeuge weiterfahren lassen, hätte dies die Verkehrsüberlastung noch verschlimmert und die Durchfahrt der Einsatzkräfte gefährdet. Bei dem Versuch, die Zufahrt bis zum Eintreffen der Polizei zu beschränken, wurde den Mitarbeitern jedoch vorgeworfen, sich als Behördenvertreter aufzuspielen. Zudem sahen sie sich mit teilweise aggressivem Verhalten und mehreren Autofahrern konfrontiert, die sich gewaltsam den Weg bahnten.

Wer muss handeln, bevor die Situation zu einem Notfall wird?

Die Ereignisse vom Mittwochabend sind kein Einzelfall, da der Chasseral regelmäßig stark frequentiert ist, insbesondere im Herbst und Winter, wenn das Mittelland im Nebel liegt und auf dem Gipfel die Sonne scheint. Straßen und Parkplätze können dann schnell überlastet sein. Das Hotel-Restaurant Chasseral hat bereits konstruktive Gespräche mit der Gemeinde Nods und dem Tiefbauamt geführt, um nach Lösungen zu suchen, doch die Zugangsregelung geht über den rein kommunalen Rahmen hinaus und erfordert eine Koordination zwischen den verschiedenen betroffenen Behörden. Das Problem betrifft übrigens nicht nur das Hotel: Auch die Métairien de l’Isle, Dombresson-Frienisberg und die anderen Betriebe entlang der zum Pass führenden Straßen leiden unter den Folgen der Überlastung und der Straßensperrungen.

Am Mittwoch hatte das Hotel versucht, dem Problem zuvorzukommen, indem es bereits am Morgen die Polizei kontaktierte. Nachdem diese sich weigerte, der Situation vorzugreifen, was hätte das Hotel dann tun sollen? Die Fahrzeuge weiter hinauffahren lassen, auf die Gefahr hin, den Verkehr und den Durchgang von Rettungsdiensten zu blockieren, oder selbst eingreifen, obwohl es nicht befugt ist, den Verkehr auf einer Kantonsstrasse zu regeln?

Das Hotel-Restaurant Chasseral ruft heute die zuständigen Behörden dazu auf, sich zusammenzusetzen, um eine klare und koordinierte Lösung zu finden: Wer greift ein, ab wann und mit welchen Mitteln?

Die nächste in der Schweiz sichtbare totale Sonnenfinsternis ist für den 3. September 2081 vorgesehen. Es bleibt also noch etwas Zeit, sich darauf vorzubereiten. Dagegen könnten in knapp zwei Monaten, in den ersten Oktobertagen, der Nebel im Mittelland und die Sonne am Chasseral bereits neue Staus verursachen – die weitaus schwerer vorhersehbar sind als eine Sonnenfinsternis.

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